Alltägliche Geschichten

Besondere und alltägliche Erfahrungen unserer Babylotsinnen und wie sie Eltern helfen konnten, beschrieben als Fallgeschichten und sehen Sie auch die Filme über die Arbeit der Babylotsinnen. 

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Erfahrungen und Anforderungen aus dem Alltag unserer Babylotsinnen

Mein Freund wollte, dass ich abtreibe

Logo Babylosten der Charité, © Charité - Universitätsmedizin Berlin / Grafik, 2015

Frau B., 32 Jahre, Architektin, erwartet ihr erstes Kind. Im Gespräch mit der Babylotsin fasst sie Vertrauen, spricht von Druck und psychischem Stress durch den Ex-Partner, der auf keinen Fall ein Kind wollte und sie zur Abtreibung gedrängt hatte. Daraufhin hat sie sich schweren Herzens von ihm getrennt. Sie lebt erst seit Kurzem wieder in Berlin, hat nur wenige persönliche Kontakte und fühlt sich einsam. Ihre Wohnverhältnisse sind aktuell desolat und sie fühlt sich mit allem überfordert.

Die Babylotsin macht ihr Mut und bietet Unterstützung in Form  von aufsuchender Elternberatung, die auch bei Anträgen und Wohnungssuche hilft. Sie knüpft Kontakt zum Verein allein erziehender Mütter und Väter und organisiert für die Zeit nach der Geburt eine Familienhebamme für ein Jahr. Frau B. ist ausgesprochen dankbar und sagt: „Jetzt kann ich endlich anfangen, mich auf mein Kind zu freuen…“

Noch nicht anerkannter Kindsvater liegt im Sterben – was tun?

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Frau S., 26 Jahre, Sachbearbeiterin, wurde bereits in der Schwangerenberatung aufgrund ihrer Belastungen an die Babylotsin weitergeleitet. Frau S. berichtet, dass der Vater ihres ersten Kindes im Sterben liegt. Da er nicht mehr geschäftsfähig ist, kann er keine Vaterschaftsanerkennung unterzeichnen. Die Babylotsin vermittelt den Kontakt zu der zuständigen Sozialarbeiterin vom Jugendamt und zum Verein „Vaterschaft Berlin“, um das Prozedere der Vaterschaftsanerkennung für diesen speziellen Fall zu klären.

Da die junge Mutter sehr belastet ist, hat sie es nicht geschafft, sich eine Hebamme zur nachgeburtlichen Versorgung zu suchen. Die Babylotsin findet eine Hebamme und stellt darüber hinaus den Kontakt zur „aufsuchenden Elternhilfe“ her, die sie schon jetzt zu Ämtern begleitet, ihr bei Anträgen hilft, sie zu Hause besucht und ihr bei Fragen rund um die Geburt sowie zur Entwicklung des Kindes zur Seite steht.

Frau S. hat sich im Verlauf des ersten Lebensjahres ihres Kindes immer wieder telefonisch an die Babylotsin gewandt, um kleine und große Sorgen mit ihr zu besprechen. Ihr Baby entwickelt sich gut und dank der Unterstützung durch die installierten Hilfen und ihre Familie kann sie die schwere Situation meistern.

5. Kind per Kaiserschnitt – Mutter herzkrank – Vater bekommt keinen Urlaub

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Frau K., 34 Jahre, Hausfrau, hat vor zwei Tagen per Kaiserschnitt ihr fünftes Kind zur Welt gebracht. Ihre Kinder sind zwischen 2 und 10 Jahre alt. Es sind Schulferien und der Urlaubsantrag ihres Mannes für die Zeit nach der Entbindung wurde von seinem Arbeitgeber abgelehnt. Familienangehörige, die ihr helfen könnten, hat sie nicht. Dem Neugeborenen geht es gut. Frau K., selbst von Geburt an durch eine Herzerkrankung nur eingeschränkt belastbar, ist jetzt zusätzlich durch den Kaiserschnitt geschwächt. Sie ist verzweifelt. Sie weiß nicht, wie sie ihre 2-jährige Tochter in den kommenden Tagen in die Kita bringen soll. Sie fühlt sich nicht in der Lage, den Haushalt weiterzuführen und die anderen Kinder müssen ja auch beschäftigt werden. Ihr Mann kann sie kaum unterstützen, er ist den ganzen Tag am Arbeitsplatz.

Die Babylotsin kann Frau K. beruhigen. Sie zeigt ihr, dass sie Anspruch auf eine Haushaltshilfe hat, die in ihrer Situation von der Krankenkasse finanziert wird. Die Haushaltshilfe wird ihre Tochter in die Kita bringen, sie abholen, einkaufen und den Haushalt erledigen. Die Babylotsin setzt sich mit der Krankenkasse in Verbindung und füllt gemeinsam mit Frau K. den Antrag aus und sucht nach der passenden Haushaltshilfe. Noch in derselben Woche wird die Hilfe für 4 Wochen genehmigt.

Mir ist alles zu viel. Ich habe Angst, die Kräfte zu verlieren

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Frau Z., 31 Jahre, Lehrerin, wirkt nach der dramatisch erlebten Geburt ihres ersten Kindes (Not-Kaiserschnitt) verunsichert und aufgelöst. In der Familie ist vor nicht allzu langer Zeit ein Baby unter der Geburt verstorben.

Durch eine Schwester der Geburtsstation informiert, nimmt die Babylotsin Kontakt zur Mutter auf und führt ein erstes Gespräch. Nach einem weiteren Gespräch mit den beteiligten Geburtshelfern wird die Familie, soweit emotional stabil, vorerst ohne weitere Interventionen nach Hause entlassen.

Nach einigen Tagen meldet sich Frau Z. bei der Babylotsin mit der Bitte um Unterstützung. Das Kind sei sehr unruhig und schreie viel. Sie selbst komme nicht zur Ruhe. Da ihr Partner selbstständig ist und viel arbeite, könne er sie kaum unterstützen. Frau Z. hat Angst, zunehmend ihre Kräfte zu verlieren und der Situation nicht gewachsen zu sein. In einem langen Gespräch gelingt es der Babylotsin, Frau Z. Mut zuzusprechen. Gemeinsam entwickeln sie einen Unterstützungsplan. Die Babylotsin initiiert Besuche durch einen ehrenamtlichen Dienst, um der Mutter jede Woche einen freien Nachmittag zu ermöglichen, und vermittelt Kontakt zur Schreiambulanz.

Bei der Nachfrage der Babylotsin im Rahmen des Monitorings nach 3 Monaten zeigt sich: Die Lage hat sich entspannt. Die ehrenamtliche Unterstützung läuft, die Mutter-Kind-Interaktion scheint sich eingespielt zu haben, das "Kind ist ruhiger geworden". Die Schreiambulanz musste bisher nicht besucht werden (das Angebot im Hintergrund gibt Sicherheit.) Die Familie fühlt sich wohl.

Wo Sie auch noch Hilfe finden, wenn Ihr Baby viel schreit, haben wir unter Informationen und Links – rund um die Geburt für Sie zusammengestellt. Aber bitte nicht schütteln!

Probleme beim Stillen und viele Fragen zum Umgang mit dem Baby

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Frau K. hat ihr erstes Kind geboren. Sie ist 22 Jahre alt und lebt mit dem Vater ihres gemeinsamen Kindes in einer 3-Zimmerwohnung. Der Partner befindet sich in einem festen Angestelltenverhältnis und wird nach der Geburt zwei Monate Elternzeit nehmen. Da die jungen Eltern von ihren eigenen Eltern und Freunden gut unterstützt werden, haben sie vor der Geburt kein Interesse an einer Hebammenbetreuung.

Auf der Wochenbettstation hat die junge Mutter anfänglich Stillprobleme und macht sich große Sorgen. Auf Bitten des Pflegepersonals trifft sich die Babylotsin mit den Eltern des Kindes zu einem Gespräch. Im Erstgespräch zeigt sich, dass die Eltern des Kindes gut vorbereitet sind. Weil sie dennoch viele Fragen zum Kind und zum Stillen haben, beschließen Babylotsin und Eltern gemeinsam, eine Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme zu organisieren.

Für besondere Situationen verfügt die Babylotsin über gute Kontakte zu kooperierenden freiberuflichen Hebammen. So konnte sie noch während des Klinikaufenthalts der Mutter den Kontakt zwischen Mutter und Hebamme herstellen. Mit einem festen Besuchstermin der Hebamme freute sich die Mutter jetzt uneingeschränkt darauf, mit ihrem Kind nach Hause zu gehen. 

Mein Baby schreit so viel

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Frau K. erwartete ihr erstes Baby. Seit zwei Jahren lebte sie mit dem Vater ihres Kindes zusammen. Aber seitdem Frau K. weiß, dass sie schwanger ist, wurde die Partnerschaft zur Achterbahnfahrt. Momentan führt das Paar getrennte Haushalte. Der Partner möchte aber für das gemeinsame Kind da sein.

Im Gespräch mit der Babylotsin wirkt Frau K. sehr ängstlich und besorgt um das Kind. Das Baby scheint unruhig. Die Hilfe einer Hebamme lehnt Frau K. ab. Finanziell ist Frau K. gut aufgestellt. Sie ist erfolgreich berufstätig und hat finanzielle Reserven. Für die erste Zeit nach der Geburt plant ihre Mutter für einige Wochen nach Berlin zu kommen, um Frau K. in ihrer neuen Situation zu unterstützen.

Vier Wochen nach der Geburt meldet sich die Babylotsin telefonisch bei Frau K. Es scheint ihr gut zu gehen. Ihre Mutter unterstützt sie nach Kräften. Die Beziehung zum Vater des Kindes gestaltet sich weiterhin schwierig.

Einige Wochen nach diesem Telefonat meldet sich Frau K. bei der Babylotsin. Sie erzählt,  dass sie an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen ist. Das Baby weine so viel, dass sie seit Tagen nicht mehr geschlafen habe. Aufgrund des vielen Schreiens kommt Frau K. nicht mehr dazu, richtig zu essen. Die Mutter kann sie nicht mehr entlasten, sie ist bereits wieder abgereist, und mit dem Vater des Kindes möchte sie keinen Kontakt aufnehmen.

Mit Einverständnis von Frau K. nimmt die Babylotsin Kontakt zur SchreiBabyAmbulanz auf und schildert der dortigen Therapeutin die Situation. Bei einem Hausbesuch noch am selben Tag verabreden die Mitarbeiterin der SchreiBabyAmbulanz und Frau K. regelmäßige Treffen für die  kommenden Wochen.

Durch Entspannungsmethoden und gemeinsame Gespräche lernt  Frau K., ihr Baby zu beruhigen, sich selbst zu entspannen und ihre neue Mutterrolle gelassener zu bewältigen. Auch die Beziehungsprobleme mit dem Vater des Kindes werden dabei thematisiert und geringfügig entspannt.

 

Wo Sie auch noch Hilfe finden, wenn Ihr Baby viel schreit, haben wir unter Informationen und Links – rund um die Geburt für Sie zusammengestellt. Aber bitte nicht schütteln!

Junge Mutter, in Ausbildung, alleinstehend

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Frau A., 19 Jahre, brachte spontan ein gesundes und kräftiges Kind zur Welt. Frau A. wurde vom Vater des Kindes während der Schwangerschaft verlassen. Derzeit wohnt sie in einer kleinen Wohngemeinschaft. Sie hat engen Kontakt zu ihrer  Familie, die jedoch nicht in derselben Stadt wohnt und sie so nicht regelmäßig unterstützen kann. Frau A. hat ihre Ausbildung unterbrochen, möchte diese aber schnellstmöglich abschließen. Im Erstgespräch stellte sich heraus, dass sie Unterstützung bei den Anträgen (Vaterschaftsanerkennung, Elterngeld etc.) benötigt und sich unsicher ist, ob sie die Versorgung ihres Kindes alleine schafft. Eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung hatte sie gefunden, ist mit ihr aber nicht glücklich.

Die Babylotsin leitet die junge Familie an den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) weiter, der Frau A. zeitnah zu Hause besucht und weitere Fragen, unter anderem zur Tagesbetreuung des Kindes während der Ausbildungszeit, beantworten kann. Es gelingt der Babylotsin auch, eine andere Hebamme für sie zu finden.

Nach dem ersten Monitoring stellt sich heraus, dass Frau A. weiterhin Unterstützung braucht. Für die Unterstützung bei Behördenangelegenheiten und bei der Alltagsbewältigung organisiert die Babylotsin für Frau A. die Betreuung durch "Aufsuchende Elternhilfe" im Bezirk.

Angst vor einer erneuten Schwangerschaftsdepression

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Frau H. wurde von ihrem zweiten Kind entbunden. Sie ist verheiratet, das erste Kind ist 5 Jahre alt. Im Anamnesegespräch berichtete Frau H., dass sie nach der Entbindung des ersten Kindes an einer Wochenbettdepression gelitten habe. Damals wusste sie nicht, an wen sie sich wenden könnte. Die Babylotsin bietet ihr im Gespräch auf der Wochenbettstation an, sie an eine Familienhebamme weiter zu leiten. Da die Mutter bereits merkt, dass sie sich psychisch nicht sehr gut fühlt, stimmt sie dem Kontaktaufbau durch die Babylotsin zu.

Auch hier besteht eine enge Kooperation zu den Koordinatorinnen der Familienhebammen in den Berliner Bezirken. Die Mutter wird noch in der Klinik von der Familienhebamme besucht. Der Kontakt zur Hebamme blieb ca. 8 Monate bestehen.

Aus Syrien geflüchtet, alleinstehend, isoliert

Frau N., 24 Jahre alt, stammt aus Syrien und ist alleinstehend. 2014 flüchtete sie ohne ihre Familie nach Deutschland. Bis Oktober 2015 lebte sie in einer Flüchtlingsunterkunft. Ihr Sohn kam zwei Tage vor dem Erstgespräch mit der Babylotsin per Kaiserschnitt zur Welt. Frau N. spricht kein Deutsch, weshalb eine Dolmetscherin zugegen war. Frau N. sagte, sie wolle ihrem Kind das Leben in dieser Wohnform nicht zumuten.

Seit November 2015 lebt die junge Mutter nun in einer eigenen Wohnung, die vom Jobcenter finanziert wird. Aller-dings gibt die Patientin zu, dass sie das Geld, das sie für die Einrichtung der Wohnung und für die Erstausstattung ihres Babys erhalten hatte, für andere Dinge ausgegeben hat. Jetzt habe sie nichts für ihr Baby außer einem Strampler und einem Winteranzug, beide sind dem Baby noch viel zu groß. Sie selbst schlafe auch nur auf einer Matratze auf dem Fußboden, Möbel habe sie keine. Frau N. wirkt verzweifelt und überfordert. Sie hat Angst davor, in diesem Zustand mit ihrem Baby in ihre Wohnung zurückzukehren. Durch die Sprachbarriere hat sie große Probleme, sich zurechtzufinden, Anträge zu stellen und Briefe zu beantworten. Zum Kindsvater besteht kein Kontakt. Freunde oder Familie, die sie unterstützen könnten, hat sie nicht.

Zunächst stellte die Babylotsin einen Kontakt zum Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) her. Sie vereinbarte mit der dort zuständigen Sozialarbeiterin noch für den Tag der Krankenhausentlassung einen Hausbesuch bei Frau N., um zu klären, ob und wie  Frau N. und ihr Baby in dieser Wohnung bleiben können. Frau N. benötigt dringend sozialpädagogische Unterstützung in bürokratischen Fragen und bei der Alltagsbewältigung. Allerdings sind die Kapazitäten arabisch sprechender SozialarbeiterInnen rar, sodass eine "Frühe Hilfe" wie die "aufsuchende Elternhilfe" für Frau N. nicht möglich ist.
Die Babylotsin nimmt Kontakt deshalb zu den "Kiezmüttern" auf. Dort arbeiten ehrenamtlich unter anderem auch arabisch sprechende Frauen, die Müttern mit Migrationshintergrund als Ratgeberinnen zur Seite stehen und ihnen Unterstützungsmöglichkeiten im Kiez rund um die Themen Sprache, Erziehung und sozialrechtliche Unterstützung aufzeigen und sie auch dorthin begleiten.
Da Frau N. über keine Babyausstattung verfügte, organisiert die Babylotsin zusammen mit Flüchtlingsnetzwerken und den Kiezmüttern eine Grundausstattung von Babysachen, die Frau N. zum Zeitpunkt ihrer Entlassung erhält.

Schwanger - und der Vater hat sich getrennt

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Die 28-jährige Frau M. erwartet ihr erstes Kind. Vier Monate vor der Geburt kommt es zur Trennung vom Vater ihres Kindes. Die Trennung wirft die junge Frau so aus der Bahn, dass ihr die Vorbereitungen auf das Leben mit dem Baby über den Kopf wachsen. In der Schwangerenberatung erzählt sie einer Ärztin von ihren Sorgen. Die Ärztin bietet ihr ein Beratungsgespräch mit der Babylotsin an, das die Frau gern in Anspruch nimmt. Im Erstgespräch mit der Babylotsin berichtet Frau M., wie sehr sie unter der Trennung leidet. Zudem weiß sie nicht, welche finanziellen Unterstützungen ihr als Alleinerziehende zustehen und wo sie Anträge stellen kann. Die Babylotsin stellt Frau M. die aufsuchende Elternhilfe vor, die Frau M. vor und nach der Geburt des Kindes unterstützend zur Seite stehen kann. Vermittelt durch die Babylotsin meldet sich die Sozialarbeiterin der aufsuchenden Elternhilfe wenig später bei Fr. M. und vereinbart das erste Treffen.

Mit Baby im Flüchtlingsheim

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Frau A., 25 Jahre, verheiratet, ist aus Afghanistan geflüchtet und lebt seit drei Monaten zusammen mit ihrem Ehemann und ihren zwei Kindern im Alter von 2 und 3 Jahren in Deutschland. Ihr drittes Kind, ein Mädchen, kam per Kaiserschnitt zur Welt. Das Baby ist sehr zierlich. Am Tag nach der Geburt fand das Erstgespräch mit der Babylotsin statt und da Frau A. nur dari spricht, wurde eine Dolmetscherin hinzugeholt. Die junge Mutter erzählt, dass sie und ihre Familie derzeit in einer Turnhalle, einer Notunterkunft für Flüchtlinge, leben. Es gebe dort keine Privatsphäre, die sanitären Anlagen müssten sich alle Bewohner teilen. Zudem weiß Frau A. nicht, wo sie ihr Baby, wenn sie wieder in die Unterkunft zurückkäme, waschen soll.

Sie schildert, dass ihre kleine Tochter sehr viel weine, da sie sich unter so vielen Menschen nicht wohl fühle. Ihr dreijähriger Sohn sei ständig erkältet und sie hätten deshalb schon den Kinderarzt aufsuchen müssen. Einen Kita-Platz haben die beiden Kinder nicht.
Zum Glück hat Frau A. eine ehrenamtliche Helferin kennengelernt, die ebenfalls dari spricht und Frau A. sehr unterstützt. Von ihr wurde Frau A. bereits mit etwas Babykleidung versorgt.

Die Babylotsin nimmt – mit dem Einverständnis von Frau A. – Kontakt zu der ehrenamtlichen Helferin auf, um die Adresse der Unterkunft zu erfragen, da Frau A. diese nicht kennt. Sie bittet die die Helferin, dem Ehemann mitzuteilen, welche Unterlagen für die Beantragung der Geburtsurkunde des Säuglings benötigt werden. Telefonisch informiert die Babylotsin die Flüchtlingsunterkunft über die Geburt des Babys und teilt dem dortigen Mitarbeiter das voraussichtliche Entlassungsdatum von Frau A. und dem Säugling mit. Zudem stellt die Babylotsin sicher, dass von der Unterkunft ein Bettchen für das Baby bereitgestellt wird.
Die derzeitige Unterbringung der Familie scheint weder für Frau A. kurz nach einem Kaiserschnitt noch für das Neugeborene, welches zudem etwas schwach ist, geeignet. Deshalb nimmt die Babylotsin Kontakt zu einer Mitarbeiterin vom LAGeSo auf und bittet um eine kindgerechtere Unterkunft der Familie. Schon am nächsten Tag erhält die Babylotsin die Nachricht, dass eine neue Unterkunft für die Familie gefunden wurde und diese zum Bezug bereit stehe. Im Gespräch teilt sie dies Frau A. mit und informiert auch die ehrenamtliche Helferin über diese Möglichkeit.